Rheinpfalz - Zeitung                                                                  23.02.2008

 

SAMS-TAGE, DIE DAS LEBEN ÄNDERN

 

 Von unserer Mitarbeiterin Sigrid Ladwig

 

Wie ein streng geordnetes Leben plötzlich turbulent, lustig und sehr lebendig wird, das zeigte am Donnerstag das „Theater Wilde Hummel“ aus Bochum im Dürkheimer Haus, wo über 150 begeisterte Kinder „Eine Woche voller Samstage“ erlebten. Die Inszenierung nach dem bekannten Kinderbuch von Paul Maar ist eine Koproduktion mit dem „HalloDu Theater“.

Zunächst hat Herr Taschenbier alles bestens unter Kontrolle – von der richtigen Lage der Tischdecke bis zum passenden Zeitpunkt, den Teebeutel aus der Tasse zu nehmen. Sehr schön zeigt die Aufführung, dass dieser sympathische Herr zwar behaglich aber Unaufhörlich zittert er vor seiner Vermieterin, Frau Rotkohl, und sogar am Telefon buckelt er vor seinem Chef.

Die beiden auftretenden Schauspieler Silke Geyer und Klaus Hermann sind zwar Solospieler, aber sie zeigen ein perfektes Zusammenwirken. Als Zimmerwirtin ständig mit dem unentbehrlichen Staubwedel fuchtelnd, spielt Silke Geyer die gestrenge und neugierige Frau Rotkohl. Dabei trägt sie eine Viertelmaske, die das Gesicht nur teilweise bedeckt, es im Ausdruck aber stark verändert.

Auch wenn die Darsteller als Verkäufer und als Taschenbiers Chef, Herr Oberstein, auftreten, tragen sie Teilmasken. Nur Taschenbier selbst, einfühlsam gespielt von Klaus Hermann, zeigt stets sein freundlich-offenes Gesicht. Schon durch diesen Gegensatz arbeitet die Inszenierung wirkungsvoll heraus, wie sich die Hauptfigur von den typenhaft festgelegten Charakteren abhebt und wie sie sich weiter entwickelt und verändert.

Doch erst will Taschenbier beim Altgewohnten bleiben und nichts wissen vom Sams, das alles so respektlos und durchgreifend zu ändern droht. Was dabei an Unvorhergesehenem passiert, zeigen die beiden Darsteller mit viel Humor und Geschick. Die Mischung von Situationskomik und stillen Momenten gelingt, und das junge Publikum ist zwischen lautem Gelächter und gebannter Stille spürbar nah am Geschehen.

Als äußerst bewegliche Spielfigur ist das Sams zu sehen. Silke Geyer hat es aus Stoff und Latex gefertigt und führt die einen halben Meter große Klappmaulfigur mit beeindruckender Lebendigkeit. Selbst wenn die Schauspielerin zwischen ihrer eigenen Rolle und der Aufgabe als Figurenspielerin schnell wechseln muss, ist die offene Spielweise für kleine und große Zuschauer kein Problem.

Denn unweigerlich lässt man sich vom ensiven, auch innigen Spiel der Darsteller überzeugen. Und wenn Taschenbier das Sams behutsam in die Arme nimmt, ist ihm seine erwachende Zuneigung zu diesem quirligen Wesen anzumerken. Abwechslungsreich wirkt das Bühnenbild, wobei sich das Geschehen teilweise vor dem Vorhang abspielt, während dahinter rasch die Zimmereinrichtung umgeräumt wird.

Was aber ist im Laufe der Geschichte mit Taschenbier passiert? Wie umgekrempelt reagiert er plötzlich und wehrt sich, wenn die anderen ihn einschüchtern wollen: Selbst von sich überrascht, entdeckt er Mut und Selbstbewusstsein und lernt sich zu behaupten.

Ebenso gelungen im Gegenpart zeigt Silke Geyer die Reaktionen der Mitmenschen auf diese innere Wandlung. Besonders witzig wird es, wenn Frau Rotkraut immer das Gegenteil von dem sagt, was sie eigentlich sagen will. Ein großer Spaß für die Zuschauer, die sich am Ende mit viel Applaus bedankten. Schade für alle Beteiligten war nur die Tatsache, dass ein Sams nur eine Woche bleibt – oder eben nur einen Nachmittag. (lad)

 

 

Am Samstag kommt das Sams

"Eine Woche voller Samstage" auf dem Emmertsgrund

 

Paul Maar der "Erfinder" der Figur Sams, begrüßt das Sams vom Theater  ,,Wilde Hummel".

 

"Ich hab alle vier Bücher vom Sams gelesen. Ich habe sie sogar zu Hause und die Kassette auch." "Hast du das Sarns schon im Fernsehen gesehen?" Solche und ähnliche Bemerkungen und Fragen stellen sich die Kinder, die bereits eine halbe Stunde vor der Aufführung aufgeregt im Bürgerhaus Emmertsgrund herumtoben. Ines Zapf und Regine Mitternacht von der Stadtbücherei, haben alle Hände voll zu tun, die Kinder, die zwischen vier und zwölf Jahre alt sind, von der Saaltür fernzuhalten und alle Fragen zu beantworten. Die Kinder testen, natürlich, was sie über das Sams und das Stück, das das Theater "Wilde Hummel" aus Bochum gleich aufführen wird, wissen. Von Rohrbach und Kirchheim kommen die Mütter mit ihren Kindern, eine Schulklasse aus Leimen ist auch unter den Zuschauern. "Wenn so etwas für die Kinder geboten wird, fährt man natürlich her", meint eine Mutter. Als "modernen Kinderbuchklassiker" bezeich- net eine andere Mutter das Buch von Paul Maar. "Am Sonntag scheint die Sonne, am Montag kommt Herr Mon, am Dienstag hab ich Dienst und am Mittwoch ist Mitte der Woche, am Donnerstag, da donnerts, am Freitag hab ich frei und am Samstag kommt das Sams." Mit diesem Lied beginnt die Geschichte von Sams, einige Kinder sprechen leise mit. Daß die zwei Schauspielerinnen Silke Geyer und Marion Witt das Stück ein wenig umgewandelt haben und der Herr Taschenbier nun eine Frau ist, stört die Kinder wenig.

 Hauptsache das Sams entspricht ihrer Vorstellung, also ist grün mit roten Haaren und hat das Gesicht voller blauer Wunschpunkte. "Und der Taucheranzug muß stimmen", wissen die beiden aus Erfahrung. Das Sams ist keck, ja fast respektlos und frech, und stellt das geordnete Leben der schüchternen Frau Taschenbier, die sich vor ihrem Chef Herrn Oberstein und noch mehr vor ihrer Vermieterin Frau Rotkohl fürchtet, auf den Kopf.                      Und das Sams, Silke Geyer, Marion Witt und Paul Maar verschwinden nicht sofort nach Ende des Stückes, sondern geben den Kindern Gelegenheit, das Sams zu streicheln, Fragen zu stellen und in Ruhe Abschied zu nehmen. "Wann kommt ihr wieder?"  "Wie verwandelt ihr euch in Frau Rotkohl und den Eisbären?" "Ist Sams ein Junge oder ein Mädchen, wie alt ist es und wie viele Finger hat es?" waren die Fragen an die Schauspielerinnen. Paul Maar, der viele Autogramme gab, hörte am häufigsten die Frage "Wann gibt es eine Fortsetzung der Sams-Bücher?" Daß ihm die Inszenierung sehr gut gefallen habe und er alles, was dazu erfunden wurde, akzeptiere, bescheinigte Paul Maar Silke Geyer und Marion Witt, die das Stück inzwischen über 40 Mal gespielt haben. "Bisher war es aus Termingründen nie möglich, die Aufführung zu sehen", gestand er. Und daß er es beinahe bereue, das Buch nicht mit einer Frau Taschenbier konzipiert zu haben.                      Seg

 

 

 

 

 

 

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